Small Small Moments

“Eine Lehrerin kommt in meine Klasse und unterrichtet Citizenship Education. Nebenbei stillt sie ihr drei Jähriges Kind, während sie ihr ein jähriges mit einem Tuch auf dem Rücken trägt. Das machen hier alle, denn es gibt keinen Mutterschutzurlaub.”

 

“Ich sitze in meiner Klasse. Mir ist kalt. Es regnet. Schon seit 4 Stunden jetzt. Mein Kopf dröhnt, die Schüler sind laut. Auch sie können nicht nach draußen. Ich korrigiere zu Ende und mache ein Nickerchen. Auf dem Tisch. Das ist normal.”

 

“Ich sitze draußen unter Bäumen im Schatten. Der Klassenraum war zu heiß. Wir haben alle Tische nach draußen geräumt. Hier weht wenigstens eine leichte Brise. Das ist angenehm. Wir lesen gemeinsam ein Buch. Ich esse/ trinke eine Kokusnuss und korrigiere dann zu Ende. So mag ich es am Liebsten”

 

 

“In der Pause spiele ich ghanaische Musik auf meinem Handy ab. Plötzlich kommen meine Lieblinge aus allen Richtungen angelaufen. Sie singen mit. Einige trauen sich sogar, zu tanzen. In Ihnen ist so viel Rythmus. So viel liebe zur Musik. Ich liebe es. Ich liebe sie.”

 

“Madame, Madam, Let’s Play Michael Jackson!” – “Okay, but only one time”

Daraufhin stehe ich in einer Traube von Kindern. Alle möchten das Klatschspiel mit mir machen. Ich spiele mit, bis die Pause zu Ende ist. Dann geht’s zurück in den Klassenraum. Ich bin viel lieber die Spielende, als die Lehrende!

 

“Mein lieber Gideon weint. Er wurde heute härter geschlagen, als sonst. Ich kann es kaum mit ansehen. Ich kann es nicht verstehen, ich will es nicht verstehen, ich werde es nie verstehen.”

 

“Millicent erklärt mir das neue System. Es gibt jetzt Fachlehrer und keine Klassenlehrer mehr. Als ich frage, wer denn ICT unterrichtet, sagt sie Mr. Clemens und verrät mir auch, wie er von den Schülern auf Twi genannt wird: “he hates us all.” Das fand ich krass. Er ist der Lehrer, dem der Stock an die Hand geschweißt ist. Ohne Stock unterrichtet er nicht.”

 

“Ich gehe jeden Morgen auf dem Weg zur Schule an einer Pancake- Verkäuferin vorbei. Ich kaufe auch ab und zu mal einen. Heute hatte ich nur zwanzig Cedi. Sie kann nicht wechseln, der Schein ist zu groß. Sie gibt mir trotzdem einen und sagt nur “KoBra”, was in Twi so viel heißt wie Go and Come. Sie kennt mich nicht. Sie kann nur wenige Worte Englisch. Sie vertraut mir trotzdem.”

 

“Ich sitze auf der Toilette. Vor meinen Füßen läuft eine Kakerlake vorbei. Ich erreiche sie aber nicht. Ich grüße sie und konzentriere mich wieder auf mein Geschäft. Am Anfang des Jahres wäre ich sofort geflüchtet. Heute ist das Normalität.”

 

“Das Wasser geht mal wieder nicht. Ich laufe raus, hole zwei Eimer Wasser, nutze einen für die Spülung und den anderen zum Duschen. Das Leben kann so einfach sein.”

 

“Ich sitze im Klassenraum. Einige Hühner laufen auf der einen Seite hinein und auf der anderen wieder hinaus. Ghana.”

 

“Ich laufe im Trockenen zu Schule. Kurz bevor ich gehe, regnet es heftig. Auf meinem Weg nach Hause brauche ich doppelt so lang wie normal, weil ich mir so oft neue Wege suchen muss. Meine ursprünglichen Wege haben sich in kleine Bäche verwandelt. Regenzeit…!”

 

“Ich fahre mit dem Trotro nach Winneba. Auf halber Strecke sehe ich eine Frau mit schweren Baumstämmen auf dem Kopf und ich weiß: Sie hat noch eine Strecke vor sich, die mit dem Auto noch zwanzig Minuten sind.”

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s