Workcamp in Kwesikum

Hallo meine Lieben,

Die letzte Woche hat mich sprachlos gemacht. Ich habe Menschen getroffen, deren Leben mich fasziniert hat. Menschen, deren Leben nach anderen Mustern verläuft, als man es sich in Deutschland auch nur ansatzweise vorstellen kann. Diese 7 Tage gehören zu den eindrucksvollsten Momenten, die ich bisher erlebt habe.

Wir – das heißt alle 16 IGI Freiwilligen – waren für eine Woche in einem kleinen Dorf im Agona East District (Kwesikum). Das liegt mit dem Trotro etwa eine halbe Stunde entfernt von Swedru. Auch wenn das nicht weit klingt, war es doch eine ganz andere Welt. Kein Strom, kein fließend Wasser, kein „richtiges“ Klo. Für uns vielleicht ein Abenteuer, für die Menschen in diesem Dorf der Alltag.

Wir Mädchen schliefen jeweils zu sechst in zwei kleinen Räumen auf Matratzen auf dem Boden, die Jungs campten auf dem IGI Land. Viel Platz blieb uns da nicht, aber wir wollten uns ja auch nur zum Schlafen dort aufhalten. Und schon beim Aufhängen der Moskitonetze mussten wir erfinderisch werden, weil in der Wand nicht so viele Nägel waren und somit befestigten wir eine Leine quer durch beide Räume, an der wir dann die Netze aufhingen. Im selben Gebäudekomplex befand sich auch unser Bad und Klo (ein und dasselbe…), denn ein Ca. 2x2m großer Raum mit einem Loch in der hinteren Wand diente uns zugleich als Urinal und als Waschraum (Dusche), wodurch es leider auch etwas unangenehm roch.

Für das größere Geschäft hatten wir ein tiefes Loch mit Holzbalken darüber auf dem Camping Gelände. Duschen tut man hier im Dorf übrigens, indem man einen Eimer mit Wasser füllt und es sich dann mit einer großen Kelle nach und nach über den Kopf gießt. Diese Eimerdusche ist auch für uns mittlerweile schon zur Gewohnheit geworden, denn auch in Swedru gibt es manchmal Probleme mit der Wasserversorgung. Anders ist hier allerdings die Wasserbeschaffung: man geht mit großen Eimern zum “Water fetching” zu der Pumpe und trägt dann das Wasser auf dem Kopf nach Hause. Nachdem wir gesehen hatten, dass die Kinder aus dem Dorf andauernd losliefen, um für uns Freiwilligen das Badewasser zu holen, beschlossen Pauline, Josephine und ich, dass es so nicht weitergehen kann und wir liefen am Montag nach der Schule selbst mal mit und gerieten prompt in einen fetten Regenschauer, denn an der Pumpe muss man manchmal schon so eine halbe Stunde warten, weil viele Familien Wasser brauchen! So wurde das Wassertragen aber zum Vergnügen und wir liefen pitsche patsche nass noch ein weiteres Mal los! Dann wurde es allerdings zu kalt und wir kuschelten uns nach einer Dusche erstmal in unsere dicken Pullis…

Da wir Sonntagabend angereist waren, gingen wir alle recht schnell ins Bett. Am nächsten Morgen wurde dann ausgelost, wer in welche Schule kommen würde. Zur Auswahl standen die dorfeigene Grundschule und JHS (bis Klasse 9) und die der umliegenden Dörfer Kwesipenti und Duabone. Ich kam mit Pauline, Josi (meine Schulpartnerin in Swedru) und Lena nach Duabone und wir wurden sehr überschwänglich begrüßt und nett aufgenommen. Die ersten Tage übernahmen wir von Zeit zu Zeit mal eine Klasse, aber am Ende entschieden sich Pauline und ich dazu, lieber unsere Vorträge über Malaria Prevention und Teenage Pregnancy zu halten, die wir für die Abende im Dorf vorbereitet hatten. Zum Abschied bekamen wir sogar super süße Armbänder geschenkt und wurden jeden Tag lecker bekocht!

Nachmittags standen verschiedene Dinge an, doch meistens hatten wir frei und wurden von den Kindern aus dem Dorf umringt! “Madam Kira, Dance with us!!!” Wie kann ich auch nein sagen, wenn mich 20 große Kinderaugen anstrahlen? Ich habe also ein Shatta Wale Lied angestimmt und los ging es, die Kinder Übernahmen und sangen ein Lied nach dem anderen. Sie brachten mir auch kleinere Lieder bei und waren einfach echt happy! An einem anderen Nachmittag haben Nathalie und Jana uns und den Kindern gezeigt, wie man aus bunter Wolle Armbänder knüpft oder wir haben mit Ihnen im Hof gesessen und gemalt oder herumgeturnt!

An einem Tag ging es zu Fuß in ein noch kleineres Dorf. Ich hatte Spenden gesammelt und 100 Mückennetze gekauft, von denen wir die Hälfte noch an andere Dörfer verteilen wollten. Schon der Weg dorthin war wunderschön. Der Weg war mitten in der Natur und es gab jede Menge Palmen, Bäume, Büsche und Gräser. Die Dorfbewohner freuten sich sehr über die Netze.


Auf dem Rückweg trafen wir noch drei ältere Frauen bei der Cassava Ernte und ich ließ Williams auf Fante fragen, ob bei es bei Ihnen auch noch Bedarf an Netzen gäbe. Sie freuten sich riesig und gaben mir als Dankeschön auch noch ein paar Cassava-Wurzeln mit! Langsam gewöhne ich mich daran, schwere Sachen auf dem Kopf zu tragen…

An den Abenden fanden jeweils die Präsentationen von einigen Freiwilligen statt, die Lawrence oder Williams parallel in Fante übersetzt haben. Es ging um verschiedene Themen wie Malaria (von mir) oder Gesundheit im Allgemeinen und Joséphine und Pauline hielten einen Vortrag über teenage pregnancy. Sie hatten sogar ein Kondom mitgebracht, das David über eine Kochbanane ziehen durfte. (Die sind übrigens um einiges größer als normale Bananen…)

Am Samstag war der letzte Tag unseres Camps. Da keine Schule war, ging es für uns alle zu einer Kakao-Farm! Dorthin mussten wir allerdings erst einmal 20 Minuten laufen… Die Ernte stand an und so schlugen wir mit Macheten Kakaobohnen von den Bäumen, luden sie in Säcke und brachten sie zur Sammelstelle. Da wir das drei Stunden lang machten und kein Trinkwasser dabei hatten, wurde diese Aktion ziemlich anstrengend. Das Gebiet war wirklich groß und schien gar kein Ende zu nehmen, es war aber auch spannend, mal etwas völlig anderes zu machen und zu sehen, wie viel Arbeit eigentlich hinter einer solchen Kakao-Bohne steckt. Anschließend mussten die Kakaobohnen noch geöffnet und die Kerne rausgepult werden. Dafür hockten wir uns alle auf den Boden und befreiten die klebrigen Kerne aus ihrer Hülle, indem die Männer die Früchte aufschlugen und wir sie heraustrennten. Nebenbei konnten die Kerne natürlich auch abgelutscht werden, das ist immer lecker…!

Nach insgesamt fünf Stunden ging es für uns zurück zum Dorf. Wir hatten schon am Tag davor mit der Vorbereitung für eine Palmnutsoup angefangen, denn es sollte Fufu geben. Doch es dauerte trotzdem schier eine Ewigkeit, bis wir endlich essen konnten. Das Warten hat sich aber gelohnt, denn es war wirklich super lecker!

Etwas geschafft waren wir dann gegen 19 Uhr alle zurück in unseren Häusern (naja die Akim Oda und die Winneba Leute etwas später).

Ich melde mich bald wieder, haltet die Ohren steif und bis dann 😘❤️

Eure Kira 💁🏼

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