Zwischenseminar 14.01. bis 21.01

Sooo, da bin ich mal wieder ­čÖé
Wie ihr sehen k├Ânnt, ging es f├╝r mich nahtlos weiter mit dem Zwischenseminar. Denn ein Vorbereitungs-, ein Zwischen- und ein Nachbereitungsseminar sind eine Pflicht im Rahmen des Weltw├Ąrts-Programms und sie werden von unserer deutschen Organisation Welt-Sicht organisiert. Am 13.01. habe ich ja Samu abends zum Flughafen gebracht und habe mich dann direkt mit meinem Gastvater Williams (der gleichzeitig ja der Leiter unserer ghanaischen Partnerorganisation IGI ist) getroffen, der n├Ąmlich Friederike vom Flughafen abgeholt hat. Zusammen haben wir sie freudig in Empfang genommen und waren froh, dass die Wahl auf Sie gefallen war, denn ganz am Anfang meiner Zeit in Ghana war sie ja auch dort zu Besuch und hat uns das erste Mal mit nach Accra und Cape Coast genommen! Schon auf der Taxifahrt hatten wir unglaublich viel zu quatschen, weil wir uns ja auch wieder ein Jahr lang nicht gesehen hatten und somit freute ich mich auch auf den Beginn des Seminars. Leider sollte dieses in Swedru stattfinden und wir wurden alle zusammen in Lorenas Gastfamilie untergebracht, sodass es f├╝r mich selbst keinen gro├čen Unterschied zum Alltag darstellte.
Am Sonntag um 12 Uhr trafen wir uns dann alle im Lincoln Hotel und Williams erkl├Ąrte uns alles ├╝ber unsere Verpflegung f├╝r die Woche. Morgens sollten wir in der Gastfamilie fr├╝hst├╝cken, mittags brachte uns Ophelia das Lunch vorbei und abends hatten wir pro Tag 10 Cedi Essensgeld, um uns in der Stadt etwas zu holen. Anschlie├čend hatten wir Rike dann auch endlich f├╝r uns und wir konnten uns alles von der Seele reden, was uns st├Ârt oder belastet, sodass sich Rike einen ersten Eindruck von den Problemen machen konnte… Wir hatten uns durch die Ferien au├čerdem auch alle lange nicht gesehen und nutzen abends die Zeit in der Stadt, um alle Reiseerfahrungen auszutauschen und uns auf den neuesten Stand zu bringen.
Am Montag trafen wir uns dann mehr oder weniger p├╝nktlich um 9 Uhr im Lincoln Hotel mit Rike und sollten dann unser t├Ągliches Leben in den Gastfamilien und in den Projekten beschreiben. Au├čerdem haben wir ein Stimmungsdiagramm gemalt, was ich unglaublich interessant fand, da wir doch alle unsere Zeit sehr unterschiedlich empfunden hatten. Hanna und Josephine sind beide in ihrer Gastfamilie sehr gl├╝cklich und auch mit dem Projekt zufrieden, Lorena hatte ja leider immer wieder Probleme mit der Gastfamilie und Liv hatte k├╝rzlich erst das Projekt gewechselt und hatte sogar auch f├╝r einen Tag eine andere Gastfamilie, bis sie doch wieder zur├╝ckgegangen ist. Meine Stimmungskurve kann ich euch ja mal kurz beschreiben: bei unserem Abflug befand sich meine Laune so genau in der Mitte, da der Abschied von meiner Familie und Samu mich doch sehr mitgenommen hatten, ich auf der anderen Seite jedoch voller freudiger Erwartung und Spannung auf mein neues Leben war. Danach kamen einige sehr harte Abende, an denen ich extremes Heimweh hatte, da alles so neu war und wir schon am ersten Tag durch Swedru gelaufen sind und ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich mich hier jemals wohl f├╝hlen soll… Danach ging es aber immer bergauf, ich redete viel mit meiner Gastschwester Carolyn, habe mir die Haare machen lassen und konnte sogar die zwei Wochen im Krankenhaus arbeiten! Das fand ich unglaublich spannend und meine Laune erreichte hier einen kleinen H├Âhepunkt, da ich auch nach den ersten Wochenenden in Accra und Cape Coast gl├╝cklich war, dass ich mich f├╝r Ghana entschieden hatte. Dann startete allerdings die Schule und von Anfang an bis Ende Oktober sank meine Laune stetig, da ich mich ja eigentlich auf ein Waisenhaus beworben hatte und dann trotzdem in eine Schule gesteckt wurde… Dazu kam noch, dass ich mich in der Gastfamilie unglaublich allein f├╝hlte, weil Williams jeden Tag erst gegen 21 Uhr nach Hause kam und auch Margret nicht oft da war und au├čerdem kein gutes Englisch spricht, sodass ich das Gef├╝hl hatte, alleine zu wohnen… Denn Carolyn (meine Gastschwester, die 26 ist) ist n├Ąmlich schon ausgezogen und wohnt in Akim Oda (einer zwei Stunden entfernten Stadt). Au├čerdem wurden Josi und ich am Anfang einfach in die Junior High School gestellt und sollten unterrichten, ohne dass uns jemand gesagt hat, was wir denn mit den Sch├╝lern machen sollen und nach den ersten zwei/ drei Wochen sa├čen wir den lieben langen Tag nur rum und hatten nichts zu tun… Mit diesen Problemen gingen wir dann auch zu Williams, der es arrangiert hat, dass Josi die Primary Class 5 und ich die Primary Class 6 als feste Klassen bekamen und wir als Assistenzlehrer dort mithelfen konnten. Damit wurde es dann tats├Ąchlich besser, ich lernte die Sch├╝ler kennen und habe ich den Pause kleine Sachen mit Ihnen gemacht… Trotzdem war es leider noch nicht so, dass wir wirklich gebraucht wurden. Ich korrigiere den lieben langen Tag die Aufgaben des Lehrers (Mr. Edu) und muss mir mit ansehen, wie er die Kinder schl├Ągt; die schlecht abschneiden oder laut sind… Aber meine Zeit in Ghana wurde trotzdem besser, weil wir eine viele bessere Verbindung zu den anderen Weltw├Ąrts-Freiwilligen von zB Organisation wie Ara oder Experiment e.v. bekamen und vor allem Jonas (aus Belgien) zu mir zog! Somit hatte ich einen Gastbruder und das erste Mal so etwas wie ein “Familiengef├╝hl” bzw. einen wirklich guten Freund bei mir wohnen, mit dem ich meine Sorgen und Gedanken teilen konnte! Ab Anfang Dezember ging es dann nur noch bergauf, ich habe erst mit Jonas so viel im Norden erlebt und konnte dann sogar meine Familie und Samu endlich wieder in die Arme schlie├čen!
Das Seminar selbst war f├╝r mich ein Chaos der Gef├╝hle, denn ich konnte mich auf der einen Seite ├╝ber alles auskotzen, was mir nicht gefallen hat, wodurch mir allerdings erst bewusst wurde, wie viel Ballast ich quasi mit mir rumgetragen hatte, auf der anderen Seite konnten wir uns auch alle gegenseitig motivieren und neuen Mut fassen!

auch einige Minuten der Entspannung dürfen natürlich nicht fehlen:

image

Am Dienstag haben wir dann viel ├╝ber Rassismus geredet und haben einen “Privilegien-test” gemacht, wo wir mal aufgeschrieben haben, in was f├╝r Situationen wir uns im positiven oder negativen Sinne anders behandelt gef├╝hlt haben. Da sind zun├Ąchst einmal die st├Ąndige Aufmerksamkeit und die “Obroni! Obroni!” (Wei├čer) rufe, die uns hier auf Schritt und Tritt folgen. Darauf reagiere ich, wenn ich gut gelaunt bin, lachend “Obibini!” (schwarzer), was hier keineswegs als rassistisch angesehen wird (und so meine ich es schlie├člich auch nicht!), sondern von allen unglaublich gefeiert wird. Meistens ignoriere ich es jedoch mittlerweile, denn wenn man sich auf ein Gespr├Ąch einl├Ąsst, wird man oft gefragt, ob man denjenigen nicht nach Deutschland bringen kann, ob man ihm sein Handy oder irgendwas anderes schenken kann (weil hier alle davon ausgehen, dass wei├če Leute unglaublich viel Geld haben und in einem Schloss wohnen…) oder ob man ihn nicht gleich heiraten will. Das ist nochmal eine andere Geschichte, denn als wei├čes M├Ądchen bekommt man doch wirklich unglaublich oft “Baby” hinterhergerufen, wird von Verk├Ąufern unsanft am Arm gepackt oder bekommt Heiratsantr├Ąge..! Auch von den Polizisten, die hier regelm├Ą├čig die Trotros kontrollieren (Weshalb ich mir angew├Âhnt habe, immer einen Ring zu tragen)!
Teilweise werden wir aber auch positiv bevorzugt, was uns dann meistens noch unangenehmer ist: zB werden manchmal einzelne Ghanaer, die in einem Taxi sitzen, rausgeschmissen, wenn der Taxifahrer sieht, dass eine Gruppe von 3 oder 4 Freiwilligen ein Taxi sucht… Es kommt aber noch viel ├Âfter vor, dass wir beim Taxifahren ├╝bers Ohr gehauen werden und mehr bezahlen sollen, als es eigentlich kostet und Ewigkeiten um einen fairen Preis handeln m├╝ssen. Aber genug davon!
Am Mittwoch hat Lawrence mit uns lange ├╝ber die Geschichte Ghanas, den Kolonialismus, Imperialismus und Neo-Kolonialismus geredet und anschlie├čend haben wir eine German Night mit allen Mitgliedern der Ghanaischen Organisation IGI gemacht. Daf├╝r haben wir Nudeln mit einer Gem├╝se-Tomatenso├če und Obstsalat vorbereitet, ganz viel deutsche Musik heraus gesucht und sogar das ein oder andere Bierchen getrunken.


Am Donnerstag hat Williams und dann eine Pr├Ąsentation ├╝ber die kritische Reflexion unseres Handelns und ├╝ber das Verstehen des globalen Kontextes gegeben. Das war leider nicht wirklich interaktiv und so h├Ârten wir bed├Ąchtig zu, wirklich h├Ąngen geblieben ist dabei aber wahrscheinlich nicht. Freitag sind wir dann nach Kwansakrom gelaufen (ein kleines Vor├Ârtchen neben New Sawmills, also unserem ├ľrtchen) und sollten dort in einer Schule unterrichten und uns den Schulalltag dort anschauen. Da es genau das gleiche war, das wir auch in unseren Schulen machen, waren wir etwas entt├Ąuscht ├╝ber diesen Programmpunkt und k├Ânnen bis jetzt den Sinn dahinter nicht verstehen. Am Samstag ging es allerdings dann mit den Kindern von GLOVO (das Waisenheim was Williams gebaut hat) an den Strand nach Winneba und es war sch├Ân die Kinder so ausgelassen zu sehen.

Als Abendessen machten wir dann auch noch Tortellini mit Pesto, das uns Rike mitgebracht hatte! Ein sehr gelungener Abschluss w├╝rde ich sagen ­čÖé
Am Sonntag haben wir dann noch kurz das Thema angerissen, was wir uns f├╝r die kommenden Monate noch vornehmen, hier meine wenigen Punkte:
– mehr Sport machen, weniger Essen (hihi)
– im Projekt mehr engagieren! Vielleicht bekomme ich es ja hin, dass Mr. Edu einen Stundenplan erstellt und mir die ein oder andere Stunde mal ├╝berl├Ąsst oder ich sogar Fl├Âtenunterricht anbieten kann
– vielleicht mal Ghanaische Freunde finden, wobei das hier ein bisschen schwer ist, da man Frauen nach 16 Uhr nicht mehr antrifft, da die alle im Haushalt helfen m├╝ssen und Kerle meistens mehr wollen…

See u later Alligator ­čĺü­čĆ╝­čśŐ
Eure Kira n

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s