First School Weeks

Hallo meine Lieben, die ersten zwei Wochen in unseren endgültigen Projekten sind nun geschafft. Ich bin mit Josi (einer Freiwilligen von Kulturlife, Halbghanaerin, super lieb!!) in der Basic School Asafo S.D.A. und wir laufen jeden Morgen und jeden Nachmittag zusammen mit zwei anderen Freiwilligen, die an die Schule neben unserer gehen, 45 Minuten bis dorthin. Morgens ist es echt super idyllisch und gemütlich und gibt uns Gelegenheit, uns über den letzten Tag auszutauschen bzw. schonmal wach zu werden (denn wir müssen jeden Morgen schon um 7:30 Uhr da sein). Wir müssen bisher immer bis 2 Uhr hier bleiben und der Rückweg ist dann meistens ziemlich heiß und anstrengend oder aber nicht begehbar, denn zur Zeit ist immer noch das Ende der Regenzeit und nach einem heftigen Regenfall während der Schule, haben sich meistens alle schmalen Straßen (hier ist ja nichts geteert in den Dörfern…) in reißende Flüsse verwandelt.
Die Schule selbst ist genau so, wie man es sich so von einem kleinen afrikanischen Dorf vorstellt: Die Räume sind nicht geschlossen und wenn es regnet versteht man im Klassenraum kein Wort, weil das Wellblechdach die Geräusche vervielfacht und es gibt nur ganz einfache Holzbänke und eine Tafelwand. Es gibt einen Office Room, der sogar in einem geschlossenen Gebäude ist, dann ein kleines Gebäude für den Kindergarden 1 & 2 (jeweils ein Raum pro Klasse), ein Gebäude für die Primary School (Klasse 1-6 und wieder pro Klassenstufe ein Raum) und ein Gebäude für die Junior Highschool (JHS Form 1-3, was den Klassenstufen 7-9 entspricht). Der Pausenhof ist eine große Sandfläche und die Pausenklingel für die Primary School sind zwei große Trommeln, auf denen der Timekeeper immer ein kleines Konzert zum Pausenbeginn und zum Pausenende gibt.


Der erste Schultag bestand daraus, dass alle Schüler, die da waren (also längst nicht alle…), den gesamten Schulhof und alle Tische und Stühle fegen mussten, das Gras per Hand mit einer riesen Machete mähen mussten (in der prallen Sonne!) und dann die Klassenräume wieder einrichten sollten. Danach hat Evelyn (eine super nette Lehrerin hier) die KG2 Kinder begrüßt, hat mit Ihnen gesungen und gebetet und danach war der Schultag auch schon fast wieder vorbei… Auch die nächsten zwei Tage sind wir mit Evelyn mitgegangen und haben uns alles zeigen lassen und die Kindergartenkinder (sowas wie die Vorschule bei uns) sind einfach unglaublich goldig!
Wir sollten immer um 7:30 hier sein, da dann die Schule beginnt, aber die Lehrer kamen bis zur nächsten Woche alle erst so gegen 9 Uhr und haben auch nicht so wirklich Unterricht gemacht! Alle tragen hier übrigens Schuluniformen, aber es gibt eine ganz bestimmte Regelung, die leider nicht immer eingehalten wird: Montags und Dienstag den blauen Rock mit dem weißen Hemd, Mittwoch und Donnerstag das gelb-blaue Muster (bei Mädchen Kleider, bei dem Jungs ein Hemd mit einer blauen Hose) und Freitags die Lacost Kleidung, da sind ganz blaue Uniformen, also T-Shirts mit dem Schullogo und dem Namen der Schule darauf zu den blauen Röcken bzw. den blauen Hosen.

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rechts: Muster für Mittwochs und Donnerstags

 

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Links: Lacost, rechts: Montags/Dienstags

Der Schultag beginnt immer mit dem sogenannten Essembly, in dem die Schüler der Primary School nach Klassen geordnet in Reihen vor dem Gebäude stehen, beten, die Nationalhymne singen, Guten Morgen Lieder singen und schließlich zu einem Trommelkonzert einzelnd in die Klassen marschieren, erst die kleinsten und zum Schluss die ältesten. Das sieht immer sehr eindrucksvoll aus.

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Am Donnerstag wurde uns dann mitgeteilt, dass wir ab nächster Woche auch schon unterrichten sollen und zwar in der JHS. Das kam dann doch sehr unerwartet und somit haben wir uns mit dem Mathelehrer zusammengesetzt, sodass Josi sich zwei Themen aussuchen konnte, die sie später unterrichten soll. Ich habe mich für Englisch entschieden, wofür aber bisher kein Lehrer da war, denn der sollte wohl erst in der nächsten Woche kommen, weil er aus der Eastern Region hierhergezogen war und erst mal ein Haus finden müsse…
Am Freitag wurden wir dann morgens direkt damit überrascht, dass außer uns und Evelyn kein anderer Lehrer da war, sodass Evelyn und jeweils in eine Klasse gesteckt hat (ich Form 2 und Josi Form 3) und wir zwei Stunden lang versucht haben, mit den Schülern zu reden oder irgendwelche Diskussionen zu machen. Dabei mussten wir aber feststellen, dass die Angst vor dem Lehrer einfach zu groß war und sie sich nicht richtig trauten mit uns zu reden, eine richtige Diskussion ging also überhaupt nicht. Irgendwie haben wir die Stunden dann trotzdem hinter uns gebracht und ich wurde vom Science Teacher abgelöst, Josi wurde aber nur gesagt, mach mal Mathe und so haben wir dann zu Zweit das Thema Vektoren wiederholt und festgestellt, dass sie es alle nicht können, obwohl es eigentlich nur eine Wiederholung sein sollte… Damit konnten wir dann super die Stunde füllen, haben am Ende die Hefte eingesammelt und gesehen, dass sie versucht hatten, den Merksatz mit x und y, auszurechnen!! Also liegt wohl noch eine Menge Arbeit vor uns… In der Form 1 musste ich dann am Montag die Englisch Stunde übernehmen und das erste Thema war laut des Lehrplans Arranging und constructing sentences, also habe ich mit Ihnen den Aufbau eines Satzes und die unterschiedlichen Worttypen gemacht. Das hat sogar relativ gut geklappt und sie haben sich sogar getraut, sich zu melden und zur Tafel zu kommen.

imageMein Ziel wird es einfach sein, den Schülern zu beweisen, dass ich niemals den Stock benutzen werde, denn das ist ein heikles Thema: am Dienstag hatten wir morgens wieder nichts zu tun, wurden dann aber vom Mathelehrer in eine Klasse gerufen, wo dieser gerade einen Schüler beschimpfte. Dieser stand vielleicht eine halbe Armlänge vor ihm und hatte den Kopf gesenkt, der Lehrer fuchtelte mit dem Stock und schlug ihn dann beinahe ins Gesicht (so sah es für mich jedenfalls aus!), der Schüler drehte sich aber weg und somit traf er die Schulter und den Rücken und schlug bestimmt 5-6 Mal hart zu! Danach waren wir erstmal so geschockt, dass wir uns auf unsere Stühle setzten und den Lehrer gar nicht mehr ansehen konnten. Im Laufe der Stunde kamen noch drei Schüler zu spät in die Klasse und alle verdrosch er, entweder gab es welche auf den Hintern oder auf Hände und Arme, scheinbar, wie er gerade Lust hatte… Und nicht gerade leicht! Ich habe mir immer so einen kleinen Patscher auf die Hand vorgestellt, aber das war schon mit sehr viel Kraft und Gewalt… Das war mit Abstand das schlimmste Erlebnis für mich, gerade weil wir mit dem Lehrer vorher noch darüber geredet hatten, dass das mit dem Schlagen einfach nicht ok ist, es auch andere Methoden gibt und wir es nicht sehen wollen. Der Lehrer antwortete, dass es teilweise Situationen gäbe, in denen man nicht anders könnte, als zu schlagen und als Beispiel nannte er: wenn er die Klasse fragt, ob es zu einem Thema noch fragen gäbe und alle sagen, sie hätten es verstanden, und er dann einen Schüler dran nimmt, der die Frage nicht beantworten kann, was sollte man dann anderes machen, als den Stock zu benutzen?! Das war für mich einfach unbegreiflich!
Und die Schüler zu vermöbeln, weil sie zu spät kommen? Was ist denn aus den guten alten Strafarbeiten geworden?!
In der nächsten Stunde wurde uns dann aber der Englisch Lehrer vorgestellt und wir durften uns in seinen Unterricht setzen. Das tat so unendlich gut, denn er fing damit an, sich vorzustellen und sagte dann “please hide the ken (also den Schlagstock). I don’t want to use ist and I don’t want to see it!” Er sprach in einem sanften Ton zu den Kindern und seine Stunde war einer Stunde in Deutschland so ähnlich, dass wir einfach nur glücklich waren, besonders weil es in einem so direkten Kontrast zu der Mathestunde vorher stand! Denn dort fand der Unterricht wirklich einfach frontal statt, der Lehrer hat was erzählt, dann an die Tafel geschrieben und die Schüler mussten es abschreiben. Aber ganz so viel habe ich von der Stunde auch nicht mitbekommen, da war ich noch zu schockiert… Ich wusste ja, dass sowas kommen wird, aber in diesem Ausmaß habe ich damit nicht gerechnet.
Seit dem Tag habe ich das auch nicht mehr mitbekommen, aber mit dem Headmaster wollten wir da trotzdem nochmal drüber sprechen.
Am Donnerstag hatten Josi und ich wieder den ganzen Vormittag nichts zu tun, also versuchten wir, in der “Küche” zu helfen (einer kleinen Hütte mit zwei Feuerstellen) und Banku zuzubereiten! Das fand ich zuhause bei meiner Gastfamilie in einem kleinen Topf schon anstrengend, aber diese Menge an Maisbrei konnten wir einfach nicht bewegen… Wir haben jetzt riesigen Respekt vor den zwei Kochfrauen:

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Am Freitag wurde dann an der JHS nicht so richtiger Unterricht gemacht, sondern die Schüler mussten die ganze Zeit Steine herstellen, um ein weiteres Gebäude zu bauen und somit durften wir eine Stunde eher nach Hause…
Was mich am meisten geschockt hat an unseren ersten zwei Wochen in der Schule, war, dass den Schülern einfach teilweise das Recht auf Bildung verwehrt wurde, weil die Lehrer nicht pünktlich kamen oder keine Lust auf Unterricht hatten (teilweise kam auch ein Schüler zu uns und sagte: wir hätten jetzt eigentlich Mathe und der Mathelehrer meinte, er hätte was zu tun, wodurch Josi und ich dann in die Klasse gegangen sind, aber wir sind nunmal auch keine ausgebildeten Lehrer!). Da sieht man erstmal, dass Bildung, wie in Deutschland, ein unglaubliches Privileg ist, denn der Wissensstand der Schüler ist wirklich mangelhaft hier an unserer Schule.
Das klingt jetzt vielleicht alles sehr negativ, aber wir sins zuversichtlich und hoffen, dass es noch besser wird!

Bis denn, eure Kira

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