Hospital work

Hey Hey, da bin ich wieder 🙂 Ich hab euch ja versprochen, dass ich noch einen Beitrag zu meiner Arbeit im Krankenhaus schreibe und nun versuche ich mal, meine Erfahrungen zu schildern, aber das fällt mir wirklich nicht leicht. Vorne weg schonmal: es hat mir super gut gefallen und ich hätte gern mehr Zeit dort verbracht, weil ich später auch Medizin studieren will und ich in der kurzen Zeit wirklich viel gesehen und gelernt habe. Ich weiß jetzt zB, wie wichtig es ist, dass man die Standards, die man in Deutschland vorfindet, nicht für selbstverständlich hält, denn das Krankenhaus hat es mir sehr deutlich vor Augen geführt!

imageIch bin jeden Tag zur Morgenschicht gekommen und war die erste Woche im Female Ward (Frauenstation) und die zweite Woche im Pediatric ward (Kinderstation). Die erste Schicht ging immer von 8am-2pm, abends dann von 2pm-8pm und in der Nacht von 8pm-8am, sodass der Notdienst die längste Schicht war…
Morgens hat es oft bis zu eine Stunde gedauert, bis die Schichten gewechselt hatten, wodurch ich so das ein oder andere Mal 5-8 Nurses dabei beobachten konnte, wie sie im Stuff room erstmal Stoffe oder essen gekauft haben, denn die Verkäufer kommen auch in die Stationen, um ihre Ware loszuwerden.
Nun etwas zu der Einrichtung: Es ist schon merkwürdig anzusehen, denn hier gibt es pro Zimmer so 3-8 Betten und wenn ein Patient da ist, muss er das Bett mit eigenen Stoffen bedecken, weil es meistens keine frische Laken mehr gibt und die Matratzen nicht im besten Zustand und wahrscheinlich auch nicht wirklich hygienisch sind… Im Cholera Raum gibt es nur ein Holzbett mit großen Loch in der Mitte, da man ja seine Fäkalien nicht zurückhalten kann und es gibt einen Isolation room, in dem zur Zeit zB ein Tuberkulose Patientin liegt. Allerdings tragen die Nurses, die diese Frau behandeln, trotzdem keinen Mundschutz und eine eigene Toilette hat sie auch nicht, weshalb sie dafür doch auf die Gemeinschaftstoilette muss… Die anderen Räume sind meistens nach Krankheiten geordnet, also in einem Zimmer die Malaria Patienten, in einem anderen die Fuß- und Beinverletzungen, dann gibt es noch einen “Nach-der-OP-Raum” und in einem weiteren liegen Diabetiker oder Patienten mit einem falschen Blutzuckerspiegel… Die anderen Räume werden manchmal auch gemischt belegt, je nachdem wie viel Platz da ist. Mir wurde auch erzählt, dass es jetzt zur Regenzeit die meisten Unfälle gibt, da viele Häuser nicht gut genug gesichert sind und deshalb Steine herunterfallen oder auch die Infektionen schneller übertragen werden…
Beispiel für ein Zimmer:

Zu meinem Tagesablauf:
Nach dem Schichtwechsel kam immer so gegen 10 Uhr der Doctor mit seinem kleinen Lehrling und hat die tägliche Visite gemacht. Der Arzt war für alle Stationen zuständig und in den zwei Wochen auch der einzige, den ich dort gesehen habe. Die Visite war immer ziemlich schnell, denn er ist zu jedem Patienten hingegangen, hat nach dem Befinden gefragt und dann in die Patientenakte eingetragen, was mit demjenigen passieren soll… Dann wurde ihm die nächste Akte gebracht und dann war er innerhalb von 5-10 Minuten mit allen 20 Betten durch. Für die Nurses begann dann hinterher quasi der Schreibteil, denn sie mussten die Einträge des Doktors immer in ein Buch übertragen (wenn Patienten entlassen wurden etc.) und die Patienten behandeln. Dann mussten sie auch immer wieder eintragen, was genau sie dem Patienten gesagt haben und wie sie ihn behandelt haben. Auch für die Medikamente gabs eine extra Seite und dort musste immer abgehakt werden, ob und wann das Medikament gegeben wurde. Der ganze Papierkram war schon echt anstrengend und wir haben es in Deutschland doch echt gut, dass bei uns mittlerweile alles digital ist und verhältnismäßig schnell geht! Wenn man hier ins Krankenhaus geht, dann muss man schon wirklich lange warten, teilweise bis zu 5-10 Stunden, bis man an der Reihe ist…
Nach der Visite bin ich dann immer mit irgendwem mitgelaufen, um zuzusehen und durfte auch ab und zu mal helfen oder alleine irgendwelche Botengänge erledigen (Material, wie Kanülen, Spritzen, Seife, Leinen holen oder ähnliches).
Das Essen gab es immer um 12 Uhr und die Patienten mussten es sich kaufen oder die Familienmitglieder haben ihnen was mitgebracht. Auf der Kinderstation konnte ich dann immer mit den Nurses die Reste essen, auf der Frauenstation habe ich das gar nicht so mitbekommen.
Um 13 Uhr bin ich dann mit der In-Charge Nurse die Medikamente verteilen gegangen. Sie hat die Buchführung übernommen und ich bin von Bett zu Bett gegangen und durfte die einzelnen Tabletten verteilen und aufpassen, dass auch alles genommen wird. Auf der Kinderstation wurde alles Intravenös gemacht, also durfte ich dort die Spritzen in die Kanülen geben.

imageUnd dann Stück für Stück herunterdrücken 🙂
Danach wurde es meistens sehr sehr ruhig und um 14 Uhr bin ich immer gegangen.

Was durfte ich alles so machen?
(PS: da kommen jetzt auch Geschichten, die sich zart beiseitelegen lieber nicht im Detail durchlesen sollten…)
Zu Beginn meiner Arbeit im female ward kamen zwei Frauen aus dem OP und wir sollten auf Anweisung des Doktors die Katheter ziehen. Bei der ersten habe ich zugeguckt und die zweite Patientin hat mich dann gefragt, ob ich es nicht mal probieren will. Da habe ich nicht nein gesagt, mich hinterher noch ganz nett mit ihr unterhalten und ihr alles Gute gewünscht.
An einem anderen Tag sollten Sabina (eine Nurse in der Ausbildung) und ich mit einer etwas älteren Dame zum Dentist gehen! Sie hatte einen riesigen Abszess an der Wange und es ging wohl von den Zähnen aus. Sie konnte auch nicht richtig laufen, denn ihr eines Knie war nach außen abgeknickt, aber das war wohl angeboren. Erst haben wir uns ins “Wartezimmer” gesetzt und wurden dann relativ schnell ins Behandlungszimmer gebeten. Das sah schon so ein bisschen so aus, wie bei uns beim Zahnarzt, denn der Stuhl und die Lampe waren ähnlich. Allerdings konnte ich keinen Bohrer, Sauger oder Wassersprüher entdecken, das ist dann wahrscheinlich doch noch zu Hightech… Die Zahnärztin hat dann erst im Mund mit einer Spritze (örtliche Betäubung würde ich vermuten) 3 verschiedene Stellen betäubt und hat dann einen Zahn gezogen, der wohl in die Wange eingewachsen war. Das hat sehr geblutet und zum Stoppen hat sie dann einfach wattepads reingedrückt. Sonst wurde es nicht weiter geschlossen…
Dann kam der härteste Teil: die Ärztin hatte sich das Röntgenbild angesehen (ja X-Ray gibts!) und wusste zwar, dass die Ursache nun behoben war, aber dass die Eiterbeule trotzdem noch da ist… Wir bekamen alle einen Mundschutz, die geschwollene Wange wurde von außen auch nochmal mit drei Piksern aus der riesen Spritze betäubt, wobei die Frau etwas gestöhnt hat und dann hat sie mit einer Art Zange die Wange in der Mitte aufgebohrt und es floss unglaublich viel Eiter heraus!!! Wenn der Fluss weniger wurde hat sie gedrückt und als nichts mehr kam, hat sie noch ein zweites Mal gebohrt. Das alles wurde von einem stöhnen und leidenden Geräusch von der Frau begleitet, weshalb ich nicht weiß, ob es an der Betäubung lag oder sie einfach empfindlich war. Dann nähte sie diese zwei Löcher wieder zusammen und Nähte ein Stück Plastik ein, damit auch der Rest des Eiters, den sie nicht herausdrücken konnte, noch herauslaufen konnte. Drauf kamen dann ein paar Leinen, die festgeklebt wurden und dann mussten wir die Frau wieder zurückbringen, mit der Anweisung, dass sie morgens, mittags und abends ein bisschen Salz in warmen Wasser auflösen und damit den Mund ausspülen sollte. Gehen konnte sie nicht mehr, sodass wir einen Rollstuhl holten und sie mithilfe ihrer Tochter wieder rüber brachten. Die Tochter habe ich eine Woche später dann durch Zufall noch einmal getroffen und sie hat gefragt, ob ich sie denn noch kenne, das fand ich total süß. Sie hat sich auch gefreut, dass ich mich nach ihrer Mutter erkundigt habe und meinte, es ginge ihr schon wieder recht gut und heute würden die Fäden gezogen!
Ich durfte auch eine frisch genähte Wunde säubern und ich habe bei einem total netten Arzt eine Kanüle gelegt und Blut abgenommen.
Auf der Kinderstation haben wir bei jedem Kind die Vitalwerte gemessen (Temperatur, Puls und Respiration) und sie haben mir erklärt, dass das eine kleine Mädchen vor vier Tagen fast Tod in die Klinik gekommen war, weil es so extrem starken Blutmangel hatte (Anämie/Blutarmut) und das sah jetzt schon wieder echt fit aus.
Ich habe auch ein anregendes Gespräch vom Nutrition mit einer Frau mitbekommen und dieser hat sie beinahe angeschrieen, dass sie doch bald mal den Mann anrufen soll und durch ihn an das Geld kommen soll. Sie sollte so schnell wie möglich 300 GHS zum KH bringen, damit sie extra Zutaten für die Küche kaufen kann, weil das Kind kein Öl mehr bekommen sollte! Denn nach drauf drücken auf den Fuß ist eine große Delle geblieben und das echt lange. Sie hatte aber nicht genug Geld und konnte die Behandlung nicht fortsetzen. Der Ernährungsberater meinte, dass der Countdown läuft… War schon iwie komisch mit anzusehen, weil es für uns so natürlich ist, dass allen geholfen wird so gut es geht.
Mitte der Woche wurde abends ein kleiner Junge eingeliefert, dessen komplettes Gesicht, der ganze Bauch und ein Teil vom Rücken verbrannt waren! Er hatte sich selbst kochendes Wasser übergeschüttet, als die Mutter nicht aufgepasst hat… Der Junge wurde gefüttert und dann sauber gemacht, wobei er natürlich total geschrien hat. Das eine Auge sah aus, als würde es nicht richtig aufgehen, da sogar das Augenlied verbrannt war, das andere war aber in Ordnung. Als wir ein zweites Mal hingegangen sind, wurden die Stellen erst mit dem Salzwasser gereinigt, dann wurde eine Creme darauf geschmiert und darauf kamen dann Tücher, die in eine Vaseline-Mischung getränkt waren. Die wurden mit vielen Verbänden befestigt und der Junge tat mir schon echt leid, weil die Nurse, die das gewickelt hat, ein bisschen ungeduldig war dabei…

Ich hoffe ihr könnt euch jetzt etwas mehr darunter vorstellen und wenn ihr noch mehr wissen wollt und genauere Fragen habt, dann schreibt mir einfach 🙂

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