Community profiling

Halli hallo, da bin ich wieder. Ich möchte euch erzählen, was wir die letzten zwei Tage gemacht haben, denn das hat mich schon sehr nachdenklich gemacht… Wir sind nämlich in verschiedene “rural communities” (also ärmliche Dörfer) gefahren und haben dort ein Profiling gemacht, d.h. dass wir Ihnen Fragen über ihr tägliches Leben gestellt haben, um herauszufinden unter welchen Bedingungen sie hier wohnen. Denn die Regierung interessiert sich leider nicht wirklich für diese Dörfer und IGI hat in der Nähe ein Stück Land gekauft, auf dem ein Creative Center gebaut werden soll, in dem die Menschen praktische handwerkliche Dinge erlernen sollen (ohne bezahlen zu müssen).
In die Communities mussten wir jedenfalls erstmal eine gute halbe Stunde fahren und die Wege waren alles andere als Comfortable! Dort angekommen haben wir uns erstmal in einen Bereich gesetzt, der mit einer Mauer umgeben war und nur einen Eingang hatte, durch den uns dann alle Kinder beobachtet haben. Dabei habe ich mich schon wie in nem Zoo gefühlt, da die Kinder dort teilweise echt verschüchtert waren und sich nicht näher herangetraut haben, weil sie noch nie in ihrem Leben einen weißen Menschen gesehen haben. Aber nach einiger Zeit sind auch die dann so langsam aufgetaut und wir haben ihnen den high five gezeigt, was natürlich noch toller war, da sie jetzt sogar einen weißen anfassen durften! 🙂
Dort haben wir uns in Gruppen aufgeteilt und ich bin mit Lorena, Liv und Salome zu der ersten “Familie” gegangen. Es waren um die 40 Personen und wir saßen wie in einem Halbkreis vor Ihnen und haben die Fragen auf dem Fragebogen gestellt.

imageAllerdings hatten wir beim ersten Durchlauf ein ziemliches Kommunikationsproblem, weil niemand von den Anwesenden wirklich Englisch sprechen konnte und somit Salome (die Mentorin von Josephine) alles alleine erfragt und dann für uns übersetzt hat…
Bei der zweiten Runde lief das dann auch schon viel besser:
Interessant fand ich, dass jede Community noch ihren eigenen Chief hat und dass dieser die Leute dazu mobilisiert, dass sie zB die öffentliche Toilette oder ähnliches sauber machen oder teilweise in Streitigkeiten eingreift… In die Politik hatten diese Leute kein Vertrauen mehr, da sie sagten, die wählen (seit sie können) jedes Mal und nichts habe sich je geändert. Die Politiker interessieren sich ihrerseits nicht so sehr für die Communities, da sie hier nicht viele Stimmen bekommen können und deshalb ihr Wahlprogramm auf andere Bereiche beschränken, bei denen sie viel durch Propaganda erreichen können.
Erschreckend fand ich, dass es in den Häusern keine Toiletten gibt, sondern nur eine “Public toilet” für das ganze Dorf. Diese war einfach nur ein riesiges Loch über das in schmalen Abständen Holzbretter gelegt wurden und auf die man sich dann hocken und dazwischen sein Geschäft verrichten konnte. Es hat sehr gestunken und ist vor allem für kleine Kinder auch ziemlich gefährlich…

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Außerdem war der Großteil der Leute in der Community Farmer und verdienten kein regelmäßiges Einkommen, denn wenn sie eine Ernte hatten, verkauften sie einen Teil davon auf dem Markt und das Geld musste dann teilweise für 5 Monate reichen! Der Kakao ist fast das ganze Jahr über erntbar, sodass dies eigentlich die sicherste Lösung ist, doch der kann nicht überall angebaut werden. Der Müll wurde eigentlich immer an einem separaten Ort gesammelt und wenn er zu viel wurde, dann verbrannten sie ihn.
Die Dörfer besaßen auch alle keinen Strom, die Menschen kochten mit Feuerholz und besaßen manchmal ein Radio oder einen Fußball, um sich zu beschäftigen. Wir konnten uns auch eine Lehmhütte von innen ansehen: es gab zwei kleine Räume, die sehr stickig waren, die Kinder (im Durchschnitt um die 3-5) schliefen auf Teppichen auf dem Fußboden und der Elternschlafteil war durch ein großes Laken von dem Raum abgetrennt, damit die Kinder nicht sehen, was dahinter so vor sich geht.
Alles in einem sehr einfache und (wie ich finde) schlimme Lebensverhältnisse und trotzdem waren sie unglaublich freundlich und offen.

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Noch ein paar Dinge zu meinen Daily Life:
– Ich habe gestern das erste Mal selber Fufu gestampft (was echt anstrengend ist!!) und dazu gab es leckere Groundnut soup. Fufu ist wirklich mein Lieblingsgericht bisher!!

– Ich habe eine Einladung zum Auswahlgespräch für ein Medizinstudium an der MHH bekommen, muss allerdings auf diese verzichten, da ich nicht nach Deutschland zurückfliegen kann und werde mich im nächsten Jahr erneut bewerben.

– Ich spiele ganz viel mit Ekua (gesprochen Eküa), die seit einer Woche bei uns wohnt, weil ihre Mama (eine Freundin von Caro) weg musste über das Wochenende. Mittlerweile ist sie wieder da, genießt aber ihre freie Zeit ohne Kind! Caro meinte, sie weiß noch nicht, wann Winnifred die Kleine wieder abholt, aber das sei normal, dass sich die Freunde oder Verwandte um das Kind kümmern.
Mittlerweile taut sie auch so langsam auf und albert mit mir rum, aber verständigen kann ich mich nur grob mit ihr (Ko=geh/ bra= komm/ daabi=nein etc.).
Ekua hat es auch schon geschafft, sich in Caros Zimmer einzuschließen und ist dann nicht mehr rausgekommen, da auch die Fenster vergittert sind… Also muss jemand kommen und die Tür aufbrechen!! Und als ich mal mit Ekua einkaufen war, haben mich alle Leute darauf angesprochen, wie ich denn zu einem schwarzen Kind käme! Das war schon ziemlich lustig 🙂

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– Ich habe mein Zimmer jetzt eingerichtet, die süßen Kalender und Sprüche aufgehängt und mir einen Schrank gekauft und eingeräumt. Außerdem haben wir mein Moskitonetz aufgehängt und ein paar Sachen von Collins weggeräumt, ich wohne nämlich in seinem alten Zimmer 🙂

 

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